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TuS II: Derby Krimi mit Herzschlag-Finale

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Niederlage für TuS II in dramatischem Derby - hier setzt sich Benni Reh durch (Foto:Schaumann)

Niederlage für TuS II in dramatischem Derby – hier setzt sich Benni Reh durch (Foto:Schaumann)

Spannender, verrückter und dramatischer hätte das „Siegerland-Derby“ in der Handball-Verbandsliga kaum sein können. Vor rund 500 Zuschauern in der Niederschelder Rundturnhalle setzte sich der RSV Eiserfeld gegen die Reserve des TuS Ferndorf hauchdünn durch, das entscheidende Tor zum 20:19(6:8)-Endstand erzielte Frieder Krause per Freiwurf nach Abpfiff.

Es war positive Werbung für den Handball, was sich in der prall gefüllten Sporthalle an der Höllenwaldstraße abspielte: Ein zwar nicht immer hochklassiges, aber jederzeit intensiv geführtes und heiß umkämpftes Spiel, bei dem sich die Führungen abwechselten und selbst in der Schlussminute noch einmal alles, aber auch wirklich alles möglich war. Doch der Reihe nach: In der mittlerweile vierten Pflichtspiel-Begegnung der beiden heimischen Verbandsligisten entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe.

Die Ferndorfer hatten Julian Schneider aus dem Zweitliga-Kader sowie Michel Sorg von der A-Jugend (die am gleichen Tag in Minden spielte) zur Unterstützung dabei, beim RSV liefen sowohl Johannes Krause (nach seiner Platzwunde aus der Vorwoche mit Turban versehen) als auch erstmals nach seiner Verletzung wieder Mittelmann Nils Weller auf. Auch die Tribüne war voll wie lange nicht in der Rundturnhalle, auf den Seiten befanden sich links und rechts Trommler der Vereine, die für die richtige Stimmung sorgten. Beide Teams wollten im Prestigespiel unbedingt gewinnen, das war nicht nur an den Personalien, sondern auch innerhalb der Begegnung direkt zu spüren.

Nach 12 Minuten stand es 3:3, beide Mannschaften arbeiteten gut in der Deckung, zwischen den Pfosten zeigten Felix Dewies und Hilmar Gudmundsson gute Leistungen. Mit Toren von Reh und Ronge legte der TuS erstmals zwei Tore vor (3:5), mit drei Toren in Folge drehte Eiserfeld seinerseits den Spieß um und markierte über Krause das 6:5. Dass es wiederum die Ferndorfer waren, die mit einem Dreierpack des starken Sorg ein 8:6 in die Pause mitnahmen, unterstreicht bereits den Achterbahn-Charakter der Partie, die nichts für schwache Nerven war.

Das sollte sich nach der Halbzeit nicht ändern. Zunächst waren es wieder die Ferndorfer, die bis auf 10:8 vorne blieben, per Gegenstoß glich Jannik Daub kurz darauf zum 10:10 aus und erzielte wenig später in Überzahl per Heber das 12:10 für die Gastgeber. Wieder ein Führungswechsel, und dieser sollte länger bestehen bleiben. Zwar erzielte der TuS trotz Unterzahl durch Sorg nach 43 Minuten das 15:15, Eiserfeld antwortete aber mit einem Treffer von Frieder Krause und dem zweiten Tor von Nils Weller.
Ferndorf verpasste danach, eine Überzahlsituation zu nutzen, Marc Philipp hatte nach rüdem Einsteigen gegen Julian Schneider eine Zeitstrafe erhalten. Doch in Unterzahl war es Johannes Krause, der den Ball aus dem Rückraum in die rechte obere Ecke zimmerte und auf 18:15 erhöhte. Drei Minuten noch zu spielen, die Vorentscheidung schien gefallen. Zumal Eiserfelds Kreisläufer Benedikt Steinebach das Ferndorfer Anschlusstor über Schneider (57.) direkt zum 19:16 beantwortete und Torwart Klaus Dickel, nur für den Siebenmeter eingewechselt, gegen den bis dahin sicheren Michel Sorg parierte.

Dann aber folgte eine Schlussminute, die es in sich hatte. Beim 19:17, wiederum durch Schneider, erhielt Nils Weller eine Zeitstrafe, Eiserfeld musste den Rest der Zeit, 53 Sekunden, in Unterzahl überstehen. Ferndorf öffnete die Deckung, erwartete den dezimierten RSV einen guten Meter hinter der Mittellinie. Und der agierte nervös, verlor gleich zwei Mal den Ball. Beide Male nutzte Schneider seine Chancen – 19:19, noch immer einige Sekunden zu spielen.

Und die Rundturnhalle musste mit einem Mal den Atem anhalten. Sollte der RSV am Ende sogar mit leeren Händen dastehen? Denn Ferndorf wartete weiter hinter der Mittellinie auf den nächsten Ballverlust. Eiserfeld behielt den Ball aber in den eigenen Reihen, Thomas Kunz holte kurz vor dem Abpfiff einen letzten Freiwurf heraus.
Die Zeit lief ab, Frieder Krause nahm den Ball. Ein Eiserfelder gegen sechs Ferndorfer im Block, dahinter der Torwart. Eine schier unmögliche Aufgabe. Das schien auch Kunz so zu sehen, der zur Verwirrung aller (inklusive der eigenen Bank) neben dem Block auf und absprang, um Torwart Dewies abzulenken. Ob das das Erfolgsgeheimnis war, sei dahingestellt – Krause zumindest holte aus, der Ball überquerte auf der linken Seite die Hände der Blockspieler und zappelte kurz darauf im Netz.
Der Torpfiff ging im Jubel der Eiserfelder unter, die den jubelnd durch die Halle springenden Krause in der Hallenecke umringten, während die TuS-Spieler, nach tollem Kampf unbelohnt, auf dem Feld zusammen sanken. Nach den ersten Momenten des Jubelns verabschiedeten sich beide Mannschaften mit Applaus von ihren Fans – zurecht, denn einen Verlierer hatte dieses spannende Spiel wohl nicht verdient.

RSV Eiserfeld – TuS Ferndorf  20:19
TuS: Dewies, Bub – Sorg (7/2), Schneider (6), Ronge (4), John, Reh (je 1), Dröge, Greissner, Markowski, Treude, Schöttler.
RSV: Gudmundsson, Dickel – F. Krause (6), J. Krause (3), Daub, Masuhr, Weller (je 2), Wagener (2/2), Kunz, Meyer, Steinebach (je 1), Hochreuter, Nies.

Alle Fotos: Schaumann
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