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Achterbahnfahrt der Gefühle

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Sieben Tore von Patrick Weber reichten am Ende nicht zum Sieg (Foto: H.Burbach)

Es war wahrlich kein Handball-Leckerbissen, den die 3845 Zuschauer in der nahezu ausverkauften Schwalbe-Arena zu sehen bekamen. Aber an Emotionen, Leidenschaft und Begeisterung hatte das Derby alles zu bieten was der Handballfan sich im Vorfeld gewünscht hatte. So konstatierte auch Ferndorfs Coach Michael Lerscht am Schluss seiner Ausführungen: „Kompliment an die Rot-Weißen heute in der Halle, die eine sensationelle Stimmung in die Arena gezaubert haben. Das hat Spaß gemacht – ganz großes Kino. Vielen herzlichen Dank !“

Und wahrlich fällt es schwer, für das Gesehene die richtigen Worte zu finden. Es war ein zäher Beginn. Bis zum Ferndorfer Anschlusstreffer zum 5:4 durch Jonas Faulenbach war es ein Spiel auf Augenhöhe. Durch den in der ersten Halbzeit überragend agierenden Gummersbacher Halblinken Alexander Hermann, der sechs seiner sieben Treffer in den ersten achtzehn Minuten erzielte, zogen die Gummersbacher über 7:4, 9:5 und 11:7 davon. Nach 21 Spielminuten schienen sich die Kräftverhältnisse zwischen dem Tabellendritten und dem Tabellenvierzehnten gerade zu rücken. Doch noch vor der Pause konnten, nach fast acht Minuten ohne einen Treffer der beiden Teams, Lucas Schneider und Tim Rüdiger für den 11:9 Anschluss zur Halbzeit sorgen.

Welche Worte Lerscht in der Halbzeit auch immer gefunden hatte. Sie schienen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Denn Patrick Webers 12:10 Anschlusstreffer in der 32.Minute war der Beginn von zehn Minuten Ferndorfer Dominanz, die jeden rot-weißen Fan in der Schwalbe-Arena in Verzückung versetzten. Drei mal Weber mit unnachahmlichen Gewaltwürfen aus der zweiten Reihe und einmal Tim Rüdiger von der Rechtsaußenpositionen stellten Gummersbach „vor maximale Herausforderungen“, wie es Lerscht formulierte. „Das Team hat heute gezeigt was sie leisten können, mit welcher Bereitschaft sie agiert haben. Es fällt unglaublich schwer Worte zu finden, da das Zustandekommen der Niederlage sehr bitter ist“, war der Ferndorfer Coach aber hörbar stolz auf die Leistung seiner Equipe. Als Patrick Weber mit seinem siebten Tor zur Ferndorfer 18:15 Führung in der 44.Minute traf, träumten die Fans aus dem Siegerland vom Sensationscoup beim einst ruhmreichen VfL.

Apropos Fans. Gut und gerne vier- bis fünfhundert dürften es am Ende gewesen sein, die den rot-weißen Jungs auf dem Parkett den Rücken stärkten. Eine sensationelle Zahl für einen Donnerstag Abend. Und was diese Fans für eine Stimmung fabrizierten, darüber dürften sich viele Gummersbacher in der zweiten Halbzeit verwundert die Augen gerieben haben. Die nun allesamt stehenden Fans im Gästebereich waren mit lautstarken „Ferndorf-Sprechchören“ zu hören. Und auch die Trommler der Ferndorfer Füchse sorgten mit 15 Trommeln nicht nur für eine unverwechselbare Stimmung, sondern stellten zeitgleich auch einen Auswärtstrommler-Rekord in der 2.Liga auf.

Das Geschehene in der letzten Viertelstunde lässt sich nur schwerlich in Worte fassen. Auf der einen Seite TuS-Spieler, die nicht mehr die richtigen Lösungen gegen die Abwehrumstellungen von Gummersbachs Coach Torge Greve finden. Auf der anderen Seite Gummersbacher, die sich im Schneckentempo Tor für Tor an den TuS heran robben, aber auch immer wieder am sehr gut haltenden Marin Durica im Ferndorfer Kasten scheitern. Ob es am Ende ein Abpraller war, den Julius Lindskog Andersson zum großen Ärger Branimir Kolopers nicht zu fassen bekam, einige technische Unzulänglichkeiten der Lerscht-Sieben oder vielleicht die „Fifty/Fifty-Entscheidungen“, die zum Schluss allesamt gegen das Ferndorfer Team ausfielen. Jedenfalls hatte der Showdown eine Minute vor Schluss bei 18:18 seinen Höhepunkt erreicht. Robin Haller auf Gummersbacher Seite warf sich in die Ferndorfer Abwehr und wollte den Siebenmeter haben, den er vom Schiedsrichter-Gespann Sascha Standke / Steven Heine auch bekam. Lucas Puhl hatte drei Minuten zuvor einen 

Siebenmeter von Marvin Sommer entschärft. Doch diesmal behielt Blau-Weiß die Oberhand und erzielte den Siegtreffer fünf Sekunden vor dem Ende. Ein letzter Spielzug nach einer Auszeit brachte ebenso wenig Erfolg wie der abschließende Freiwurf. „Ich möchte heute nichts Negatives sagen. Wir haben ein geiles Derby abgeliefert und sind für unseren großen Kampf nicht belohnt worden“, haderte Lerscht ebenso mit dem Geschehenen wie der Großteil der Ferndorfer Fans.

Doch unser Coach Michael Lerscht wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch schon wieder an den kommenden Spieltag denken würde: „Mit dem ASV Hamm am kommenden Freitag haben wir den nächsten dicken Brocken vor der Brust. Da wollen wir wieder diese Leistung, diese Bereitschaft zeigen und um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfen.“ Bei diesem Vorhaben kann der TuS Ferndorf hoffentlich wieder auf die tolle Unterstützung seiner Zuschauer setzen. Was das für Kräfte freisetzen kann, haben die in Gummersbach anwesenden Fans hautnah erlebt. 

Tore: Patrick Weber (7), Tim Rüdiger, Marijan Basic, Andreas Bornemann (je 2), Thomas Rink, Julius Lindskog Andersson, Jonas Faulenbach, Lucas Schneider, Julian Schneider (je 1)