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Ferndorf auf der Suche nach dem Spielglück

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Geschichte wiederholt sich. Ein abgedroschener Spruch, den man aber aktuell als Blaupause auf die vergangenen 14 Monate beim TuS Ferndorf legen könnte. Denn während das Verletzungspech ähnlich heftig zuschlägt wie in der abgelaufenen Saison, so ähneln sich inzwischen auch Spiele und Entwicklung des Teams. Am 19.Dezember des vergangenen Jahres spielte eine dezimierte Ferndorfer Mannschaft tollen Handball und hatte den späteren Aufsteiger aus Hamburg 45 Minuten am Rande einer Niederlage. Am Ende sollte es nicht zu zwei Punkten reichen. Schlimmer noch – die drei folgenden Spiele vor der WM-Pause gingen verloren und man ging Trübsal blasend ins neue Jahr. Soweit sind die Mannen von Ferndorfs Coach Robert Andersson Gott sei Dank noch nicht, aber Parallelen lassen sich durchaus erkennen und ableiten.

Am Samstagabend begannen die Siegerländer mit der Aufstellung, die schon in Aue für Furore gesorgt hatte. Julian Schneider als schneller, spielstarker Mann auf der Königsposition im linken Rückraum und der unermüdliche Jörn Persson in der Rolle des Spielgestalters. Und genau die Beiden waren es, die für die ersten Akzente im Spiel verantwortlich waren. So gingen beide Teams Kopf an Kopf durch die erste Viertelstunde. Durch ein gutes Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart konnte sich auch Tim Hottgenroth im Ferndorfer Tor immer wieder auszeichnen. Und auch die Anzahl der technischen Fehler wurden im Vergleich zu den Vorwochen erheblich minimiert.  Das Schiedsrichtergespann Marvin Cesnik und Jonas Konrad aus Gummersbach ging nach einem Kopftreffer von Branimir Koloper mit selbigem hart ins Gericht. Rote Karte – eine vertretbare, wenn auch sehr harte Entscheidung gegen den Ferndorfer Abwehrchef, der von der 24.Minute an von der Tribüne aus zuschauen musste. Den fälligen Strafwurf parierte Hottgenroth und man konnte eine „jetzt erst recht“ Stimmung im Team erkennen. Der große Favorit aus dem Emsland bekam seine PS weiterhin nicht aufs Feld. Während dem Team von Daniel Kubes jegliche Spritzigkeit in Abwehr und Angriff abging, verstanden es die Schneider & Co. immer wieder, im 1:1 freie Lücken zu finden und/oder den Kreisläufer in Szene zu setzen. Weder die rote Karte gegen Koloper, noch die Verletzung von Andreas Bornemann, der schon früh im Spiel signalisierte dass er nicht weitermachen kann, schienen die Rot-Weißen stoppen zu können. Mit einem 14:10 ging es in die Pause. „Wir spielen eine sehr gute Abwehr im ganzen Spiel. Der fehlende Mann im Innenblock und die Verletzung von Andreas Bornemann taten uns natürlich trotzdem sehr weh“, sollte Andersson nach dem Spiel in die Notizbücher der Journalisten diktieren.

Auch nach dem Wechsel waren alle Spieler auf Seiten der Gastgeber hellwach. Auch das oft gescholtene, weil nicht vorhandene, Feuer auf der Ersatzbank war entzündet. Alle Spieler hatten nun Gefallen daran gefunden, dem Favoriten in die Suppe zu spucken. Hottgenroth war sofort wieder im Spiel, glänzte mit zwei wichtigen Paraden, und half dabei die Führung auf fünf Tore auszubauen. Doch bei eben diesem 17:12 traten die eingangs erwähnten Schiedsrichter auf den Plan. Ein strittiger Siebenmeter für Nordhorn brachte sogar den Blutdruck des sonst ruhigen Robert Andersson in ungeahnte Höhen. Gelb für den Schweden war die Folge. Doch die Kämpfer in Rot-Weiß ließen sich nicht beirren und stellten durch einen Treffer von Mattis Michel ins verwaiste Nordhorner Gehäuse auf sage und schreibe 19:13 eine gute Viertelstunde vor Schluss. Der von Außen eingelaufene Tim Rüdiger sorgte eine Minute später sogar für das viel umjubelte 20:14. Die Stählerwiese war „on fire“ – 814 Zuschauer sorgten während der sechzig Minuten für eine tolle Atmosphäre! Eine weitere Zeitstrafe gegen Michel und einige Aktionen des Nordhorner Kreisläufers Nils Torbrügge brachten die altehrwürdige Stählerwiese dann endgültig zum Beben. Was nun folgte war eine Kombination aus taktischen Kniffen und nachlassenden Kräften beim TuS. Denn während Kubes seine Abwehrformation auf eine hochstehende 3:2:1 umstellte, gab es ab der 45. Minute keine Fifty-/Fifty-Entscheidung mehr, die zugunsten der Ferndorfer ausgefallen wäre. So zerrieben sich die Andersson-Mannen an der offensiven Abwehr und am eigenen Wurfpech. Einzig Rutger ten Velde konnte nochmal auf 21:19 stellen, ansonsten gelang den Rot-Weißen zwischen der 44. und 59.Minute kein weiterer Treffer. Am Ende zu wenig, um ein abgezocktes Team wie den letztjährigen Bundesligisten abschließend zu bezwingen. Somit musste eine 22:23 Niederlage quittiert werden, die am Ende so unnötig war wie ein Kropf. 

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass man auch mit den Teams aus der oberen Tabellenhälfte mithalten kann. Das TuS-Ensemble ist in der Liga nicht chancenlos. Und wenn sich Geschichte wirklich wiederholt, werden früher oder später Erfolge zu vermelden sein. Vielleicht ja sogar in Form einer Siegesserie, so wie sie das Team im Frühjahr gestartet hat. Wenn, ja wenn nicht Corona wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Aktuell haben immer mehr Teams mit positiven Fällen, und somit Spielverlegungen, zu kämpfen. Zwei der betroffenen Teams stehen nun eigentlich als nächste Gegner der Ferndorfer Jungs auf dem Spielplan. Doch ob es wahrhaftig zum Auswärtsspiel am kommenden Wochenende in Ludwigshafen-Friesenheim und zum Heimspiel am 01.Dezember gegen Coburg kommt, werden die nächsten Tage zeigen. So oder so – die Mannschaft wurde von einer tollen Stimmung in der Stählerwiese getragen. Da gilt es beim nächsten Heimspiel anzuknüpfen. Das Team an die Leistung der ersten 45 Minuten, aber auch die Zuschauer die im Abstiegskampf noch so wichtig werden können.

Tore: Mattis Michel (4), Rutger ten Velde (4/3), Valentino Duvancic, Jörn Persson, Lukas Siegler (je 3), Tim Rüdiger, Lucas Schneider (je 2), Julian Schneider (1)


Fotos: H. Burbach

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