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Ganz wichtiger Sieg zum Jahresabschluss

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Kai Rottschäfers wichtige Paraden am Ende des Spiels ebneten den Weg zum Sieg (Foto: H.Burbach)

Robert Andersson, Trainer des TuS Ferndorf, hat es schon so oft in den vergangenen Wochen und Monaten thematisiert: Einzelheiten sind entscheidend in dieser engen Liga, und allzu oft sind die Torhüter das Zünglein an der Waage. Christian Ole Simonsen konnte auf Seiten der Dormagener herausragende acht Paraden in der zweiten Halbzeit verzeichnen. In den Schatten gestellt wurde er allerdings von einem, der sich eigentlich schon vor anderthalb Jahren in die zweite Mannschaft des TuS Ferndorf verabschiedet hatte – Kai Rottschäfer. Der Zerberus im Ferndorfer Kasten hielt in der letzten Viertelstunde u.a. drei Siebenmeter. Damit stellte er sogar die sehr gute Leistung Lucas Puhls, bei seinem Heimspiel-Comeback, in den Schatten.

Dieser hatte nämlich direkt zu Beginn sowohl bei Rückraumkrachern, als auch bei Tempogegenstößen der Dormagener, die Finger am Ball. So konnten Julian Schneider und Kim Voss-Fels, der in der ersten Spielhälfte überragend in der Offensive agierte, früh für eine Zwei-Tore-Führung sorgen. Doch die Rechnung hatte man ohne den Halbrechten der Dormagener gemacht. Der 2,07 Meter große André Meuser stand Voss-Fels in nichts nach und hielt die Bayer-Mannen fast alleine im Spiel. Rutger ten Velde war es dann vorbehalten, die Temperatur im Hexenkessel Stählerwiese richtig anzufeuern. Einen langen Gegenstoßpass von Puhl verwandelte Ferndorfs Linksaußen artistisch zum 8:5 nach einer Viertelstunde. Danach fiel über fünf Minuten kein Tor. Überzahlsituationen konnten auf beiden Seiten nicht in Zählbares umgemünzt werden. Mattis Michel war dann der nächste, der sich in die Torschützenliste eintragen durfte. Und während auf Ferndorfer Seite die Abwehr um jeden Ball kämpfte und im Zusammenspiel mit Puhl ein ums andere Mal herausragend agierte, konnten Voss-Fels und ten Velde für eine 11:6 Führung sorgen. Sechs Gegentore in 25 Minuten – Belohnung für ein aufopferungsvoll kämpfendes Ferndorfer Team. Dormagens Coach hatte genug gesehen und bat die Seinen zur Auszeit. Doch es ging genauso weiter. Lucas Schneider, über weite Strecken auf der ungewohnten Rechtsaußen-Position agierend, war es mit seinem dritten Tor vorbehalten, für den Halbzeitstand von 14:8 zu sorgen.


Zu Beginn der zweiten dreißig Minuten waren die Kräfteverhältnisse ausgeglichen. Der TuS-Express konnte sich weiter auf die Treffsicherheit aller Akteure verlassen, während auf Seiten der Gäste Meuser nie in den Griff zu bekommen war. Doch als eben dieser Meuser nach einem Gerangel mit Julian Schneider den roten Karton unter die Nase gehalten bekam, war das Spiel mit einem Schlag ein anderes. Und nein, die Waage schlug nicht zu Gunsten der Rot-Weißen aus. Wie so oft im Sport, wenn ein Spieler eine Hinausstellung kassiert, schwingen sich auf einmal seine Teamkameraden zu einem wahren Kraftakt auf. So gesehen und geschehen gestern in der Stählerwiese. 17:11 stand es bei der Strafe gegen Dormagen. Doch nach dem 21:16 durch Lukas Siegler in der 44.Minute ging bei Ferndorf nichts mehr. „Die Abwehr war in der ersten Halbzeit super. In der zweiten Halbzeit kassieren wir zu viele Aktionen zwischen Halb und Außen“, bilanzierte Andersson nach dem Spiel. Und so mussten alle die, die es mit den Spielern im rot-weißen Jersey halten, mit ansehen, wie die Mittelrheiner Stück für Stück des komfortablen Vorsprungs abknabberten. Jakub Sterba wuchs in die Rolle Meusers hinein, und der gerade erst 18 Jahre alt gewordene Sören Steinhaus machte auf Halblinks „mächtig Randale“, wie es sein Coach in einer Auszeit einforderte. Und weil vorne einfach keiner mehr den Ball an Dormagens Schlussmann vorbei bekam, war es umso wichtiger in der Abwehr kein Gegentor zu kassieren. Kein leichtes Unterfangen, da den Blau-Weißen nun immer wieder die von Andersson angesprochenen Durchbrüche gelangen, die mit Tor oder Siebenmeter endeten. Doch einer hatte einen ganz großen Schluck aus der Zaubertrank-Flasche genommen. Kai Rottschäfer hielt schon zu Beginn der Crunchtime einen Siebenmeter von Ante Grbavac. Dem setzte der Keeper, der sicherlich vor einigen Wochen keinen Gedanken an Einsätze in der zweiten Liga verschwendet hat, noch einen drauf. In der 57. Minute entschärfte er einen Siebenmeter von Benjamin Richter, um sich mit dem gehaltenen Siebenmeter von Jan Reimer in der 59.Minute zum König von Kreuztal zu küren. Seine Mannschaftskameraden stürmten nach erfolgter Schlusssirene alle Richtung Ferndorfer Tor, um Rottschäfer zu feiern. Ein 25:22 war über die Zeit gebracht worden. Zwei ganz wichtige Punkte im Ferndorfer Sack, wie es auch Andersson in der Pressekonferenz formulierte: „Es war ein K.O.-Spiel für uns. Wir haben über 60 Minuten Kampf und Leidenschaft gezeigt. Aber es sind auch nur zwei Punkte – nicht mehr!“

Und somit lenkt der besonnene Schwede auch gleich wieder die Aufmerksamkeit Richtung der anstehenden Aufgaben. Denn bereits zu Beginn der Rückrunde Anfang Februar warten mit Eisenach, Hagen und Hüttenberg gleich drei große Herausforderungen auf die TuS-Equipe. Hoffentlich dann wieder dabei – die Zuschauer. Denn was die Stählerwiese am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages wieder für eine Explosivität entfaltet hat, erinnerte an längst vergessene Handballfeste. Somit gebührt ein Teil des Sieges auch den nimmermüden Fans im Hexenkessel.

Tore: Kim Voss-Fels (7), Lucas Schneider (4), Rutger ten Velde (4/1), Mattis Michel, Lukas Siegler (je 3), Julian Schneider (2), Jörn Persson, Tim Rüdiger (je 1)


Fotos: H. Burbach und TuS Ferndorf

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