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Im letzten Heimspiel 2021/22 gastiert der Meister in Kreuztal

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In solchen Ausgangssituationen wollen sich Sportler belohnen: Ein entscheidendes Spiel um den Aufstieg oder ein entscheidendes Spiel über Wohl und Wehe des Vereins, wenn es eine Liga nach unten geht. Fragt doch mal nach bei den Aktiven des TuS Ferndorf, die 1999 ein entscheidendes Abstiegsendspiel in Schalksmühle gewonnen haben. Oder bei den Aufstiegshelden vom Spiel in Altenhagen/Heepen 2008. Da waren genau solche Drucksituationen – und im Nachgang sprechen die Fans des TuS Ferndorf noch immer von eben solchen Spielen. Das kommt nämlich noch dazu – wird man in solch einem Match zur spielentscheidenden Figur, hat man seinen Legendenstatus für die kommenden Jahrzehnte gesichert.

Am Samstagabend kommt es zu einem ersten kleinen Endspiel. Die Ausgangssituation ist so klar, und gleichzeitig auch völlig verworren. Ein Sieg wird definitiv nicht zum Klassenerhalt reichen. Und eine Niederlage ist nicht gleichbedeutend mit dem Abstieg. Aber es werden die Weichen gestellt für den ultimativen Showdown am letzten Spieltag. Was für eine Mammut-Aufgabe auf die Mannen von Ferndorfs Coach Robert Andersson wartet, macht der Schwede mit seinem Ausblick aufs Spiel klar: „Wir wissen was uns erwartet. Die Nummer 1 der Liga kommt. Der VfL Gummersbach hat eine Riesensaison gespielt !“

Bei einem Kader wie dem vom VfL Gummersbach weiß man eigentlich gar nicht wo man anfangen soll und wo man aufhören darf. In manch Mannschaftsteil so exquisit bestückt, so dass es auch diese Saison schon für höhere Weihen gereicht hätte. Beide Torhüter, Tibor Ivanisevic und Martin Nagy, gehören zum Besten was die Liga zu bieten hat. Davor verrichtet eine durchaus offensiv interpretierte Abwehr ihren Dienst. Oft genug kommen die Blau-Weißen so zu einfachen Ballgewinnen, die allzu gerne von den pfeilschnellen und treffsicheren Außenspielern verwertet werden. Im Rückraum gibt sich die Crème de la Crème der 2.HBL die Klinke in die Hand. Während auf der rechten Angriffsseite der österreichische Routinier Janko Bozovic an guten Tagen nicht auszuschalten ist, wirbeln auf der Position im linken Rückraum und auf der Mitte zwei ganz junge Spieler. Der 22-jährige Nationalspieler Julian Köster und der 20-jährige Ole Pregler. Die Kirsche auf der Sahnetorte ist allerdings der Coach. Gudjon Valur „Goggi“ Sigurdsson ist ein Weitgereister in Sachen Handball. Alleine die Meisterehren hat er sich in fünf verschiedenen europäischen Ländern zuteil werden lassen. Eine Marke im Welthandball! Dass aber auch dieser Kader durchaus verwundbar ist, haben jüngst die Handballer des HC Elbflorenz bewiesen. In einem hochemotional geführten Spiel zwangen sie den Ligaprimus in die Knie. „Wir müssen Bozovic und Köster in den Griff bekommen und eine sehr gute Abwehr mit herausragendem Rückzugsverhalten spielen. Nur dann haben wir eine kleine Chance“, schiebt Andersson den Oberbergischen die klare Favoritenrolle zu.


Gerade jetzt knirscht es nochmal etwas mehr im Verletztenlager des TuS Ferndorf. Die seit Wochen bekannten Ausfälle haben Zuwachs bekommen. Josip Eres ist mehr als fraglich, so dass Jan Wicklein zu seinem Saisondebut kommen könnte. Einsatzbereit scheint hingegen Simon Strakeljahn zu sein. Der würde nur zu gerne dabei helfen, den Favoriten in die Knie zu zwingen. Eine Schlüsselrolle fällt schon seit Wochen Mattis Michel zu. Vorne wie hinten steht der gebürtige Ferndorfer seinen Mann. Wenn man Andersson fragt, macht das Michel nichts aus: „Mattis fühlt sich fit genug um sechzig Minuten Handball zu spielen.“ Während der eine Ferndorfer nächste Saison noch dabei ist, werden zwei weitere Ferndorfer Jungs am Samstagabend verabschiedet. Julian und Lucas Schneider, beide seit Kindesbeinen für den TuS aktiv, machen ihr letztes Spiel im rot-weißen Trikot. Dass manch junger TuS-Fan seinen Verein gar nicht ohne Julian kennt, sagt einiges über die Emotionen aus, die dort sicherlich freigesetzt werden. Nicht ganz so tränenreich, aber ebenso emotional, fallen die Abschiede bei den anderen sechs Abgängen aus. Der noch einmal aus der Handball-Rente zurückgekehrte Kai Rottschäfer, der zum Freund avisierte Ukrainer Oleksandr „Sascha“ Kasai, Mr. Steelhammer Andreas Bornemann, Abwehrchef und Zeitstrafenkönig Branimir Koloper, der holländische Wirbelwind Rutger ten Velde und last but not least der Emotional Leader der letzten Wochen, Christoph Neuhold. Durch eine streng getaktete Zeitvorgabe der HBL wird es die Ehrungen der scheidenden Spieler erst nach dem Spiel geben. 

Damit es nach dem Spiel noch mehr zu feiern gibt, müssen die Spieler über die vollen sechzig Minuten hochkonzentriert zu Werke gehen. Fehlerhafte Minuten, wie letzte Woche gegen Bietigheim, werden auf diesem Niveau postwendend bestraft. Eine Schlüsselrolle kommt ganz sicher auch wieder den Torhütern zu. Für den in der oberbergischen Kreisstadt geborenen Lucas Puhl sicherlich kein Spiel wie jedes andere. Und geradezu dafür gemacht, genau in einem solchen Spiel außergewöhnlich zu performen. Ten Velde hat 88 Feldtore auf seinem Konto. Und sicherlich nichts dagegen, wenn er sich am Saisonende mit 100 Feldtoren Richtung Ostwestfalen verabschiedet. Einem Julian Schneider muss sicherlich niemand mehr zeigen, wie man hoch emotionalisiert in ein Spiel geht. Nichts würden „Jules“ und sein Bruder Lucas lieber tun, als ihrer handballerischen Liebe zum Abschied den Klassenerhalt zu schenken.

Dazu bedarf es aber ebenso eines brodelnden Hexenkessels. Andersson mag die positive Energie, die die Stählerwiese in den letzten Wochen freigesetzt hat. Angst hat er ein wenig davor dass, ähnlich wie beim Spiel gegen Bietigheim, sich seine Jungs zu sehr pushen lassen und überdrehen. Hier kann die Devise für den Samstagabend nur lauten: Heißes Herz und kühlen Kopf! Und für die letzten beiden Spieltage hat der Fanclub Brigade C ein Motto ausgegeben: „Alle in Rot!“ Kramen sie also in ihrer Garderobe, ziehen sie sich zum Spiel etwas Rotes an und geben sie ebenso Vollgas wie die Spieler auf den 800 Quadratmetern Hallenboden. Dann, ja dann kann es vielleicht wirklich gelingen. Dem Favoriten ein Schnippchen zu schlagen und am Abend des 11.Juni als Zweitligist die Halle in Dormagen zu verlassen. Damit dies gelingt, machen in einer nahezu ausverkauften Stählerwiese wieder alle mit: Scream for our team !


WISSENSWERTES
Gegner: VfL Gummersbach
Einwohner Gummersbach: 51.000 (zum Vergleich: Ferndorf = 4.200)
Heimspielstätte: Schwalbe-Arena – 4.132 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau-weiß
größte Erfolge: 11x Europapokalsieger (Landesmeister, Pokalsieger + EHF)
12x Deutscher Meister, 5x DHB-Pokalsieger

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