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Sensationssieg beim Tabellenführer

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Nicht zu bremsen war Andreas Bornemann (11 Treffer) im Spiel beim HSV (Foto: Mathias Lehmann)

Nach einer Niederlage sind bereits einstündige Rückfahrten ganz selten Vergnügungssteuerpflichtig. Eine fünfstündige Rückfahrt aus Hamburg, nach einem Sieg beim Tabellenführer, gleicht hingegen einem rot-weißen Partybus. Und wie sich die Bilder doch gleichen. Bereits beim Sensationssieg Weihnachten 2019 haben nicht viele an einen Ferndorfer Coup geglaubt. Und die Quote derer, die im Vorfeld der diesjährigen Partie auf etwas Zählbares gewettet haben, dürfte noch viel geringer gewesen sein.

Dabei war schon von Beginn der Partie eine gewisse Linie erkennbar, wie sich selbige entwickeln wird. Der Tabellenführer aus Hamburg ging 2:0 in Front, was die rot-weiße Equipe zum 2:3 kontern konnte. In dieser Phase gab es bereits einiges an Redebedarf auf der HSV-Bank – Trainer Torsten Jansen diskutierte ein ums andere Mal wild gestikulierend. Und spätestens als Andreas Bornemann seinen dritten Treffer zum 4:6 in der 11.Minute einnetzte, rieben sich viele verwundert die Augen. Die TuS-Abwehr war, nicht nur in Unterzahl, schnell auf den Beinen, so dass man die Hamburger ein ums andere Mal in Schwierigkeiten brachte. Der Aufstiegsaspirant fand kaum Lösungen gegen eine gut gestaffelte Ferndorfer Abwehr. Und wenn dann doch mal was durchkam, war oft genug Tim Hottgenroth zur Stelle, der eine formidable Tagesform hatte. Die Zwei-Tore-Führung sollte bis zum 11:13 in der 24.Minute Bestand haben. Bornemann, Ferndorfs Mr. Steelhammer, war von der Hamburger Abwehr nicht zu bremsen. Dazu spielte das Team unfassbar diszipliniert und ohne jedwede technische Unzulänglichkeiten. „Wir wollten vorne auf den Punkt spielen. Keine Halbchancen nehmen und hinten aggressiv rausgehen“, gab Bornemann nach dem Spiel einen Einblick in Robert Anderssons Matchplan. Was sicherlich zu verbessern gewesen wäre, waren einige unnötige Zeitstrafen. Eine davon nutzten die Hanseaten, um mit einem 3:0 Lauf auf den neuen Zwischenstand von 14:13 zu stellen. Zur Halbzeit lag das Andersson-Team 16:15 zurück. Mr. Steelhammer hatte acht Mal für seine Farben getroffen und dabei nicht einen Fehlversuch verzeichnet – eine atemberaubende Quote.


Nach dem Wechsel löste Christopher Klasmann, den in einigen Situation unglücklich agierenden, Toni Sario ab. Mit einem Assist und einem Tor fügte sich Klasmann nahtlos in eine überzeugende Vorstellung des gesamten Teams ein. Doch was sich in den darauffolgenden zehn Minuten ereignen sollte, wirft so ziemlich jedes Team aus der Bahn. Jede, aber wirklich jede Fifty/Fifty-Entscheidung wurde nun zugunsten der Gastgeber ausgelegt. Die Ferndorfer Bank war außer sich. Doch all diesen Widrigkeiten zum Trotz, zeigten die Schneider, Michel & Co. ganz große Nehmer-Qualitäten. Aus dem 21:19 in der 41.Minute machten die Rot-Weißen innerhalb von sieben Minuten ein 22:23. Mit schön herausgespielten Toren, bei denen Klasmann seine Abnehmer am Kreis und auf Außen fand, bog das Spiel auf die Zielgerade ein. Die TuS-Bank bejubelte nun jeden gewonnenen Zweikampf und jedes Tor wie eine gewonnene Meisterschaft. Doch die Hamburger ließen sich nicht abschütteln. Finn Wullenweber und Leif Tissier führten ihr Team wieder heran, doch die Schussquote der Hamburger Schützen war alles andere als gut. Was sicherlich auch an der Ferndorfer Abwehr und Hottgenroth im Kasten lag. Im Vorfeld war angesprochen worden, dass sich solche Spiele für Heldengeschichten eignen. Einer dieser rot-weißen Helden ist sicherlich Andreas Bornemann mit seinen elf Toren bei dreizehn Versuchen. Ein anderer schrieb seine persönliche Helden-Story in der 58.Minute. Eine der wenigen technischen Fehler nutzten die Gastgeber zu einem Tempogegenstoß. Doch der Zerberus im Ferndorfer Tor, Tim Hottgenroth, hielt mit der wichtigsten Parade des Spiels sein Team in selbigem. Und als der Regisseur und Antreiber Torben Matzken zum 25:28 traf, und die Anzeigetafel 110 Sekunden Restspielzeit anzeigte, war der Drops gelutscht. Das 4.200 Einwohner Örtchen Ferndorf im Siegerland hatte die Millionenmetropole aus Hamburg zu Fall gebracht.

Man fühlte sich im Anschluss an die Partie an die Gallier um Asterix und Obelix erinnert. Wie die beliebten Zeichentrickfiguren kämpften auch die Faulenbach & Co. um ihr Leben. Und wieder werden alle an die Worte des schwedischen Trainers an der Ferndorfer Seitenlinie erinnert: „Wenn wir eine gute Wurfeffektivität an den Tag legen, ist es schwer uns zu schlagen.“ Die unerwarteten zwei Punkte aus Hamburg will das Team nun beim Heimspiel gegen Eisenach am kommenden Samstag vergolden. Sollte dies gelingen, wäre das bereits ein ganz großer Schritt in Richtung Klassenerhalt. Wenn das Team so weiter kämpft, wird es sich am Ende mit einem weiteren Jahr in der zweithöchsten Handballliga Deutschlands belohnen!

Tore: Andreas Bornemann (11), Mattis Michel (4/1), Josip Eres, Torben Matzken (je 3), Christopher Klasmann, Lukas Pechy, Julian Schneider, Toni Sario (je 2), Lucas Schneider (1)


Fotos: Mathias Lehmann

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