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Fehlende Stabilität kostet zählbaren Ertrag

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Mattis Michel erzielte sechs Treffer für den TuS (Foto: M.Lehmann)

Ein gern benutztes Zitat des Fußball-Weltmeister-Trainers Sepp Herberger aus dem Jahre 1954 lautet: Das Spiel dauert 90 Minuten. Abgewandelt auf den Handball dauert ein Spiel über die volle Distanz nun mal 60 Minuten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man, um erfolgreich zu sein, über die volle Spieldistanz die Konzentration aufrechterhalten muss. Wenn das nicht gelingt, sind genau das spielentscheidende Sequenzen, in denen ein Team in Rückstand gerät. Waren es bei der Heimniederlage gegen TuSEM Essen die vermaledeiten Spielminuten 40-50, so hatte das Ferndorfer Team am Samstagabend in Hamm zwischen Spielminute 31 und 42 einen elfminütigen Aussetzer.

Dabei hatte es außerordentlich gut für das Team von Coach Robert Andersson begonnen. Gegen eine offensiv agierende Hammer Abwehr fanden die Ferndorfer Rückraumschützen, durch schnelle Kreuzbewegungen, immer wieder Lücken. Andreas Bornemann, nächste Saison im Trikot des ASV Hamm aktiv, gab gleich zu Beginn mal zwei Bewerbungsschreiben in Form von satten Rückraumkrachern ab. Mattis Michel verwandelte einen Tempogegenstoß zum 5:5 (9.) und zeigte sich auch von der Siebenmeter-Marke höchst effektiv. Da aber auf Seiten der Gastgeber ein ebenso sicherer Siebenmeter-Schütze, in Form von Fabian Huesmann, agierte, blieb es erst einmal spannend. Dann kam Teufelskerl Lucas Puhl im Ferndorfer Kasten ins Spiel. Immer öfter bekam er eine Hand an den Ball und sorgte so, beim 7:9 in der 13.Minute, für die erste Zwei-Tore-Führung des TuS. Doch statt die Führung auszubauen, kassierte man innerhalb von denkwürdigen 31 Sekunden drei Gegentreffer. Drei Gegentore in einer halben Minute – das ist eigentlich unmöglich! Bornemann blieb nun zwei Mal zweiter Sieger gegen den Hammer Keeper Felix Storbeck. Doch diese Phase der Irritationen auf Ferndorfer Seite legten die Schneider & Co. schnell wieder ab. Aus einem 13:10 (22.) machte man in der 27.Minute das 13:13. Jörn Persson agierte inzwischen auf der Rückraummitte und brachte viel Tempo und Tiefe ins Ferndorfer Spiel. Wie gut der 21-jährige Sylter dem Team in dieser Phase tat, zeigte die Angriffssequenz vor der Halbzeitsirene. Die Zeit gut von der Uhr genommen, kam der punktgenaue Pass auf Rechtsaußen Tim Rüdiger, der zur Ferndorfer Halbzeitführung verwandelte. Sollte da wirklich was gehen? Man war ohne Druck ins östliche Ruhrgebiet gereist, hatte die Rolle des Underdogs angenommen und in der ersten Halbzeit mehr als nur mitgehalten.


In der Kabine muss dann was mit der TuS-Equipe passiert sein. Mit 5:0 gingen die ersten sechs Minuten von Durchgang Zwei an die Hammer. Storbeck wurde seitens der TuS-Spieler zum Helden geworfen und in der Abwehr lief gar nichts mehr zusammen. Jo Gerrit Genz, Halbrechter des ASV Hamm, durfte sich zwischen der 34. und 44.Minute in aller Ruhe austoben. Ohne Gegenwehr versenkte der 1,95 mtr. Hüne einen Ball nach dem anderen im Kasten des bemitleidenswerten Puhl. So viel Platz und so wenig Gegenwehr hat der 26-jährige Genz wahrscheinlich zuletzt in einem Jugendspiel gehabt. Puhl räumte seinen Platz für Bastian Rottschäfer, der allerdings ebenso von der Abwehr im Stich gelassen wurde. Bornemann war dagegen ganz und gar nicht gewillt, bei seinem zukünftigen Arbeitgeber abzuschenken, und verkürzte auf 25:20 (46.) und 26:21 (50.). Eine zu große Hypothek, um in der Crunch-Time nochmal in Schlagdistanz zu kommen? Als Niklas Diebel und der oben erwähnte Persson nochmal auf 28:24 (56.) stellten, dachten einige an die drei Hammer Tore binnen 31 Sekunden. Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich – sollte da wirklich noch was gehen? Doch eine Zeitstrafe gegen Valentino Duvancic zerstörte die letzten Hoffnungen auf etwas Zählbares. Hängen blieben ein paar unschöne Sprechchöre von Unbelehrbaren auf Hammer Seite und die Gewissheit, dass man bis auf die eingangs erwähnten zehn Minuten wieder einmal gegen einen großen Gegner mitgehalten hat. Am Ende zeigte die Anzeigetafel einen Endstand von 31:27. Man hat viele Dinge richtig gemacht, doch Andersson wird viele Rädchen gesehen haben, an denen er bis zum kommenden WE arbeiten muss.

Und dann wird es brutal wichtig werden. Denn am kommenden Samstag kommt es zu einem echten Abstiegs-Showdown, wenn der Tabellenvorletzte aus dem Erzgebirge, der EHV Aue, seine Visitenkarte in Kreuztal abgibt. Drittletzter gegen Vorletzter – mehr Abstiegskampf, mehr Dramatik geht nicht. Und so gibt es schon am heutigen Tage den Aufruf, am Samstagabend um 19 Uhr zahlreich in der Stählerwiese zu erscheinen. Alle Fans des TuS Ferndorf müssen mithelfen, den Hexenkessel anzustochen und die Mannschaft zum Sieg zu tragen. Gemeinsam dabei in Liga Zwei !!

Tore: Andreas Bornemann (9), Mattis Michel (6/4), Jörn Persson, Julian Schneider (je 3), Niklas Diebel, Valentino Duvancic, Josip Eres, Christoph Neuhold, Tim Rüdiger, Simon Strakeljahn (je 1)


Fotos: M.Lehmann

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