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Mit überragender Teamleistung zum Erfolg

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Rutger ten Velde netzte elfmal ein (Foto: M.Lehmann)

Die Frage nach der Charakterstärke hat der TuS Ferndorf mit einem überzeugend herausgespielten 32:24 Sieg gegen die Eulen aus Ludwigshafen beantwortet. „Das beste Spiel seit ich die Verantwortung in Ferndorf habe“, war Ferndorfs Coach Robert Andersson nach dem Abpfiff auf Wolke Sieben. Wer soll es ihm verdenken, bei dem Druck der seit der Niederlagenserie zu Saisonbeginn auf Mannschaft und Verantwortlichen lastet. Jetzt sind es, gemäß der „30-Punkte-These“ noch sechs Punkte aus sieben Spielen, die die Jungs in Rot und Weiß einsammeln müssen.

Es war die Rede davon, dass in der Endphase der Saison auch der Hexenkessel Stählerwiese wieder zum Faktor werden soll. Am Samstagabend haben die Zuschauer eindrucksvoll demonstriert, dass sie bereit sind ihren Anteil am Klassenerhalt zu leisten. Und wenn man die sechzig Minuten Revue passieren lässt, so muss man sagen, dass die Mannschaft ebenfalls bereit ist ihr letztes Hemd für den TuS Ferndorf zu geben.

Dabei war es ein zäher Beginn für die TuS-Equipe. Gegen die langen Kerls in der Abwehr der Eulen Ludwigshafen hatte Andersson Jörn Persson auf der Mittelposition sein Vertrauen ausgesprochen. Dieser sorgte mit seinem Tempo und seiner Interpretation des modernen Mittelmannes für Tempo, und setzte auch immer wieder gekonnt seine Nebenleute in Szene. Christoph Neuhold, vom HC Elbflorenz ausgeliehener, österreichischer Nationalspieler, nahm sich in den ersten Minuten des Spiels der Verantwortung an, agierte dabei aber anfangs glücklos. Die Eulen legten ihrerseits immer mit einem Tor vor, was erstmals beim 5:4 in der 12.Minute seitens der Siegerländer gekontert wurde. Vier der ersten fünf Ferndorfer Tore erzielte Josip Eres, der, um es vorweg zu nehmen, ein Riesenspiel machte und fast fehlerfrei blieb. Das schnelle Umschalten nach Gegentoren oder Ballgewinnen funktionierte dagegen nicht wie gewünscht. Was allerdings außerordentlich gut funktionierte war die Unterstützung von den Rängen. Schon zu Spielbeginn mit einer toll inszenierten Choreo des Fanclubs Brigade C, peitschten die Fans des Siegerländer Traditionsvereins ihre Mannen danach sechzig Minuten unermüdlich nach vorne. Nun war der Emotional Leader Neuhold endlich im Spiel angekommen und netzte zum 6:4 (14.) und 8:5 (17.). Das wiederum nötigte Gästecoach Michael Biegler dazu, seine zweite Auszeit zu nehmen. „Meine Mannschaft war nicht präsent. Weder vom Kopf noch von der Geschwindigkeit her waren wir da“, war Biegler nach dem Spiel hörbar angefressen ob des Auftritts der Seinen. Nur 42 Sekunden nach dieser Auszeit langte Neuhold etwas überhart zu. Etwas überhart war dann auch die Entscheidung der Schiedsrichter, ihn dafür vorzeitig unter die Dusche zu schicken. Es sei aber angemerkt, dass es sonst keine diskussionswürdigen Situationen gab, und das Schiedsrichtergespann Engeln/Schmitz die Partie gut im Griff hatte. Doch die rote Karte hatte überraschender weise eher positive Auswirkungen auf das Ferndorfer Spiel. Rottschäfer nahm sich nun die ein oder andere Parade, in guter Zusammenarbeit mit einer Ferndorfer Abwehr, die dieses Prädikat auch verdiente. Branimir Koloper und Mattis Michel erledigten einen unfassbar guten Job im Mittelblock. Und dieser Mattis Michel war nicht nur hinten eine Bank, sondern sorgte auch vorne für Lücken und Beschäftigung der Ludwigshafener Abwehr. Diese hatte sichtlich schwere Beine und wurde von Biegler auf eine 5:1 umgestellt. Als dann Rutger ten Velde in der 26.Minute zum 15:8 traf, mussten die Eulen fürchten, vom Underdog aus den Kleidern gespielt zu werden. Ten Velde hatte auf einen Ballgewinn spekuliert und brachte den Ball mit Hilfe der Latte im Tor unter – die Stählerwiese war kurz vor der Eruption.


Zum Ende der ersten Halbzeit hatten die Eulen noch auf 15:10 verkürzt. Und auch zu Beginn der zweiten dreißig Minuten waren zunächst die Gefiederten aus dem Südwesten der Republik am Zuge. Bis zur 33.Minute wurde auf 15:12 gestellt. Ferndorf hatte seit über sechs Minuten das Tor nicht mehr getroffen. Doch wie sollte es anders sein. Die beiden, am Samstagabend überragenden, Außenspieler Eres und ten Velde brachen den Bann und brachten die Rot-Weißen wieder in die Spur. Zeitstrafe gegen Koloper, perfektes Zusammenspiel Persson/Michel, dritte Auszeit Eulen, Bornemann-Kracher – das Spiel wogte ein wenig hin und her. Man hatte das Gefühl, dass eine Vorentscheidung in der Luft lag. Nachdem dann wiederholt ten Velde zum 25:19 (46.) erfolgreich war, ging der Gast zurück in die angestammte 6:0 Deckung. Doch die Schneider & Co. ließen sich nicht beirren. Das Team spielte weiterhin wie aus einem Guss. Was auch Andersson zu Lobeshymnen veranlasste: „Spielsteuerung, Breite im Spiel, Lösungen über Außen und gegen die verschiedenen Deckungsvarianten des Gegners – da war all das dabei, was wir uns im Training immer erarbeiten.“ Nach gut 47 Minuten erreichte die Lautstärke in der Stählerwiese ihren Höhepunkt. Oleksandr Kasai trat zum Siebenmeter an – doch leider hatte der Pfosten etwas gegen das erste Tor des ukrainischen Neuzugangs im Hexenkessel. So ging es mit einem 27:22 in die Crunch-Time. Doch entgegen vieler Begegnungen in der jüngeren Vergangenheit bekam der TuS-Tross diesmal nicht das Zittern. Ganz im Gegenteil – die Haupttorschützen des Abends, Bornemann, Eres und ten Velde verewigten sich weitere Male in der Statistik.Und spätestens mit dem ersten Kasai-Treffer in der Stählerwiese, zum 32:23 dreißig Sekunden vor Schluss, wurden die Feierlichkeiten eingeläutet. Das Schlusswort zum Spiel gebührt dem schwedischen Altinternationalen auf der Ferndorfer Bank: „Alle Spieler haben heute ihren Anteil an diesem tollen Sieg!“

Nächsten Samstag geht sie weiter, die wilde Fahrt durch Deutschlands zweithöchste Spielklasse. In der wunderschönen Arena in Coburg wollen die Andersson-Mannen den nächsten großen Schritt machen. Sollte ihnen das gelingen, wird der Klassenerhalt immer greifbarer. Und im Einklang mit den sich immer mehr lockernden Corona-Bestimmungen bekommt nun auch die mögliche Klassenerhalts-Party immer mehr ein Gesicht. Es scheint Wirklichkeit zu werden, was um Weihnachten 2021 noch klang wie eine selbstgestrickte Kitsch-Romanze. Und so ziehen hoffentlich weiter Alle an einem Strang, damit es auch zukünftig heißt: Gemeinsam dabei in Liga Zwei !

Tore: Rutger ten Velde (11/4), Josip Eres (9), Andreas Bornemann (7), Christoph Neuhold (2), Oleksandr Kasai, Mattis Michel, Julian Schneider (je 1)


Fotos: M. Lehmann und TuS Ferndorf

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