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Couragierter Auftritt nicht belohnt

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Lucas Puhl n Dresden wieder mit einer ganz starken Partie (Archivfoto: H.Burbach)

Im Sprachjargon der Fußballer ist oft die Rede vom Fußballgott. Sollte es analog auch einen Handballgott geben, so sollte man selbigen in Ferndorf zur Fahndung ausschreiben. „Die Jungs fighten seit drei Wochen mit allem was sie haben und nehmen aus den Partien gegen drei sehr starke Gegner nur einen Punkt mit – das ist extrem bitter“, war nicht nur die Mannschaft, sondern auch Ferndorfs Coach Michael Lerscht niedergeschlagen. Wieder einmal kein Vorwurf der Ferndorfer Verantwortlichen an das Schiedsrichter-Gespann André Kolb & Markus Kauth. Dabei hatte es innerhalb von 15 Tagen den zweiten Siebenmeter-Pfiff in der Schlusssekunde gegeben, den man als Auswärtsteam höchstwahrscheinlich so nicht gepfiffen bekommt.

Das Spiel war nichts für Handball-Ästheten. Und doch hatte die Partie alles zu bieten was sich der Handballfan wünscht. Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde, Emotionen und Akteure, die sich in Abwehr und Angriff in jede Aktion hinein werfen. 2011 Zuschauer kamen gestern in der Dresdner BallsportArena auf ihre Kosten und entfachten echte Heimspiel-Atmosphäre für ihr Team. Man hätte meinen können, dass die Ferndorfer Spieler sich ein wenig von der Kulisse beeindruckt zeigten. Denn hätte man nicht bereits in der Anfangsphase einen gut aufgelegten Lucas Puhl zwischen den Pfosten und eine beherzt zupackende Abwehr gehabt, man hätte sicherlich schon früh abreißen lassen müssen. Zwei verworfene Strafwürfe vom sonst so sicheren Siebenmeter-Schützen Julius Lindskog Andersson taten ihr Übriges. Aber spätestens mit der ersten Ferndorfer Führung zum 5:6 in der 17.Minute wusste die Lerscht-Sieben, dass in Dresden was zu holen war. Ferndorfs Coach musste kurzfristig Patrick Weber ersetzen, der in der Woche krankheitsbedingt kürzer treten musste und für den es kräftemäßig nicht reichte. Bis zur Halbzeitpause blieb es dann das erwartet enge Spiel. Immer und immer wieder zwangen die gut aufgelegten Abwehrreihen das angreifende Team ins Zeitspiel. 12:10 hieß es nach dreißig gespielten Minuten. „In der ersten Halbzeit hat Dresden einfach mehr Spielglück. Vier, fünf Abpraller landen beim Gegner und ermöglichen zweite Wurfchancen“, wollte Lerscht seiner Mannschaft diesbezüglich aber keinen Vorwurf machen.

Halbzeit Zwei begann denkbar ungünstig. Abwehrchef Branimir Koloper musste schon nach wenigen Sekunden seine zweite Hinausstellung an diesem Abend quittieren. Doch nach wenigen Minuten hatte die Lerscht-Equipe zum 13:13 ausgeglichen. Bis zum 17:17 legte Elbflorenz vor, während der TuS jeweils postwendend ausgleichen konnte. Nicht nur Ferndorfs Coach hatte zu dieser Phase das Gefühl „ein Unentschieden-Spiel“ zu sehen. Als die Partie dann in auf die Zielgerade bog, konnte Dresden nach gut 51 Minuten zum 22:20 vorlegen. Elbflorenz’ Linksaußen Julius Dierberg nutzte seine Chance zum 23:20 allerdings nicht und der TuS hatte weiterhin alle Chancen. Die er auch zu nutzen wusste. Tim Rüdiger, Andreas Bornemann und Marijan Basic drehten die Partie und es hieß vier Minuten vor Ultimo 22:23 für den TuS Ferndorf. Mit dem Gleichstand von 24:24 ging es dann in die Schlussminute. „Am Ende müssen wir das runter spielen und dürfen den Ball nicht mehr her geben. Mindestens mit dem Unentschieden nach Hause fahren oder mit dem letzten Wurf den Siegtreffer erzielen“, war Ferndorfs Coach mit den nun getroffenen Entscheidungen seiner Spieler nicht mehr konform. „Beim 22:23 haben wir das Momentum auf unserer Seite. Dann passieren auch leider zwei, drei technische Fehler die uns weh tun.“ Und nachdem der Ball nochmal bei den Dresdner landete, war klar dass es maximal dieser eine Punkt werden konnte. Doch ähnlich den Geschehnissen in Gummersbach, gab es wieder eine knifflige Entscheidung zum Schluss. Der wenig eingesetzte Halbrechte Mindaugas Dumcius scheiterte an Lucas Puhl, doch der Abpraller landete zum wiederholten Male beim Gegner und die folgende Situation bewerteten die Unparteiischen als Siebenmeterwürdig. Der auf Seiten des HC Elbflorenz überragend agierende Marc Pechstein ließ sich nicht zwei Mal bitten und verwandelte mit der Schlusssirene zum glücklichen 25:24.

Michael Lerscht hatte ein gutes Spiel seines Teams gesehen, das sich am Ende aber für den Aufwand nicht belohnen konnte: „Wir machen eine Partie die in den Plan passt und die das spiegelt was wir uns vornehmen. Wir wollten diszipliniert agieren und das haben wir in vielen Phasen geschafft. Jetzt gilt es uns für Konstanz kommenden Samstag zu präparieren und das Spielglück zu erzwingen.“ Das bei diesem Vorhaben auch der Heimvorteil, und somit auch ganz entscheidend die Stimmung in der Halle, entscheidend sein kann, haben wir in den vergangenen drei Spielen gesehen. Wenn der Hexenkessel Stählerwiese wieder so hinter seinem Team steht wie in den vergangenen Wochen, wird der eingangs erwähnte Handballgott vielleicht auch mal wieder ein rot-weißes Trikot aus dem Schrank kramen.

Tore: Mattis Michel (5/3), Tim Rüdiger, Andreas Bornemann (je 4), Julius Lindskog Andersson (3), Moritz Barwitzki, Jonas Faulenbach, Thomas Rink (je 2), Marijan Basic, Branimir Koloper (je 1)