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Weihnachtsspiel in der Millionenmetropole

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Noch einmal alles raushauen vor der Pause. (Archivfoto: H.Burbach)

Vor gerade einmal zwölf Jahren hießen die Gegner des TuS Ferndorf in schöner Regelmäßigkeit VfL Mennighüffen, TuS Oberlübbe oder TSV Hahlen. Nichts gegen diese Mannschaften – aber im „Hier und Jetzt“ misst sich das Team von Coach Michael Lerscht mit solch namhaften und traditionsreichen Teams wie dem VfL Gummersbach, TuSEM Essen oder halt dem Handball Sport Verein Hamburg. Aber als wäre das nicht schon Highlight genug, hielt der Spielplan für die Saison 2019/20 ein ganz besonderes Schmankerl für die Lerscht-Equipe bereit. Der TuS Ferndorf ist am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Gast in der Weltmetropole. Und da die Hamburger seit 2016 ein Weihnachtsspiel in der großen Barclaycard-Arena etabliert haben, wird aus dem tollen Spiel in Hamburg ein echter Höhepunkt in der Vereinshistorie der Ferndorfer Handballer. 2016 kamen schon 8555 Zuschauer und stellten einen Zuschauerrekord in Liga Drei auf. Dieser wurde im darauffolgenden Jahr mit 9964 Zuschauern pulverisiert und wird wohl ein Rekord für die Drittliga-Geschichtsbücher sein. Letztes Jahr kamen wieder knapp 10.000 Zuschauer. Dieses Jahr stehen die Zeichen gut, dass die 10.000 Zuschauer Marke geknackt wird.


An dieser Stelle die Erfolge des einstigen HSV Handball Hamburg (den Zusatz HSV darf der Verein seit 2015 nicht mehr verwenden) aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Zwischen 2006 und 2013 wurden Jahr für Jahr riesige Erfolge eingefahren, die im Gewinn der Champions League 2013 gipfelten. Dabei stand der so junge Verein, der um die Jahrtausendwende die Bundesliga-Lizenz des VfL Bad Schwartau übernahm und erst im Jahre 2002 wirklich eigenständig war, mehrere Male am finanziellen Abgrund. Zwei Mal ging es für die Hansestädter sogar darüber hinaus. Der ersten Insolvenz 2005, von der man sich mit Hilfe des langjährigen Präsidenten und Mäzens Andreas Rudolph wieder erholte, folgte 2015 Insolvenz Nummer Zwei. Rudolph, der Gerüchten zufolge über 25 Mio. Euro Privatvermögen in den Verein gepumpt hatte, war nicht mehr an Bord und die Hamburger Handballer mussten in Liga Drei neu beginnen.

Aktuell hat man sich an der Elbe vom wirtschaftlichen Schaden und dem verlorengegangenen Renommee wieder erholt und steht auf (fast) gesunden Füßen. Der Etat ist z.B. mit 2,5 Mio. Euro fast drei Mal so hoch wie der des TuS. Allerdings hat der ehemalige CL-Sieger mit Trainer Torsten Jansen und Abwehrspezialist Blazenko Lackovic auch zwei Weltmeister im Kader, und zudem mit dem wurfgewaltigen Halbrechten Jens Schöngarth einen ehemaligen deutschen Nationalspieler.
„Die Hamburger haben in ihrem Kader eine gute Mixtur aus schnellen und wurfgewaltigen Spielern“, sieht Lerscht eine homogene Truppe auf die Seinen zukommen. Kreisläufer Niklas Weller steht auf Platz 1 der Torjägerliste und darf sich sicherlich auf eine ganz liebevolle Begrüßung durch den Ferndorfer Innenblock einstellen. Dass das Hamburger Spiel leicht rechtslastig ist, zeigen die 107 Saisontore, die der Kleingruppe Forstbauer/Bergemann auf Halbrechts/Rechtsaußen schon gelungen sind. Richtig viel Arbeit die auf unsere, in den letzten beiden Spielen überragend agierende, Abwehr zukommt.

„In der Vorbereitung auf das Spiel in Hamburg haben wir die gleiche Vorgehensweise wie zuletzt. Wir müssen unser Spiel stabil halten und klar sein in unseren Aktionen“, will sich Lerscht bzgl. seines Matchplanes nicht in die Karten schauen lassen, fügt aber noch hinzu, dass „wir die körperlich große und physisch starke Mannschaft der Hamburger in Bewegung bringen müssen“. Sicherlich eine besondere Aufgabe für den in den letzten Partien so famos aufspielenden und viel Esprit versprühenden Mittelmann Julius Lindskog Andersson. Von seiner Performance profitieren aktuell auch die Halbspieler. Und wenn dann auch noch Spieler aus ihren kleinen Krisen zurückkommen, so wie unlängst Jonas Faulenbach in Eisenach, darf man gespannt sein auf das Auftreten der Rot-Weißen. Die im Übrigen mit dem kompletten Kader in der Freien und Hansestadt Hamburg antreten können. Tim Rüdiger, der in Eisenach von Jan Wicklein hervorragend vertreten wurde, ist ebenso wieder an Bord wie Magnus Neitsch. Der scheidende Ferndorfer Coach ist sich der Rahmenbedingungen natürlich bewusst und gibt einen kleinen Einblick in die Gemütslage der Seinen: „Die Freude ist schon riesengroß. Wir wollen bestmöglich performen, bevor wir in die verdiente Pause gehen.“

Bei diesem historischen Auswärtsspiel werden den TuS rund 200 Fans begleiten. Treffpunkt für die teils schon am ersten Weihnachtsfeiertag Anreisenden ist am Spieltag selber ab ca. 13 Uhr im Blockbräu an den Landungsbrücken. Der Fanclub Brigade C, der auch für die Organisation von zwei Bussen verantwortlich ist, hat die begeisterungsfähige Ferndorfer Zuschauerschar im Blockbräu angekündigt. Hinweisen möchten wir an dieser Stelle auch noch auf eine gelungene Aktion des Gastgebers. In der Halbzeitpause wird es einen „Teddy Toss“ zugunsten des Kinderkrankenhauses Altona geben. Es finden hoffentlich auch ein paar Teddybären und andere Stofftiere den Weg aus dem Siegerland in die Millionenstadt.


WISSENSWERTES ÜBER HAMBURG

Entfernung: 420 Kilometer
Fahrzeit: ca. 4 ½ Stunden
Halle: Barclaycard Arena
Gäste-Block: O1
Eintritt: € 14,- bis € 39,-
Sehenswürdigkeiten: zu viele, um allen gerecht zu werden und keine zu unterschlagen