Mit einem Sieg in die Sommerpause

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Zu welchen Erkenntnissen gelangt man nach der Aufstiegsrunde der Saison 2022/23? Ganz sicher einmal zu der, dass der TuS Ferndorf den schwerstmöglichen Start aller Teams hatte. Die am Ende verdient aufgestiegenen EHV Aue und TuS Vinnhorst als die ersten beiden Begegnungen spielen zu müssen, erwies sich bei der Ausgangslage von danach 0:4 Punkten als zu schwere Hypothek. Des weiteren war Rechtsaußen Josip Eres wieder einmal die Zuverlässigkeit in Person und avancierte in der Aufstiegsrunde zum torhungrigsten Außenspieler aller Teams! Und zuletzt darf konstatiert werden, dass der von so vielen Ferndorfern heißgeliebte Handballsport nicht wirklich in den Frühsommer passt – zumal, wenn dann auch noch ein Spieltag mit dem letzten Spieltag „der Tretballer“ kollidiert.

So waren die Lücken auf der Tribüne doch recht groß. Aber da es, neben dem nimmermüden Support der beiden Ferndorfer Fanclubs auch rund ein Dutzend Oppenweiler in die Stählerwiese gezogen hatte, war es nicht minder stimmungsvoll. Und die Spieler geizten auch von Beginn an nicht mit Toren. Der in der letzten Woche, und auch heute wieder, befreit aufspielende Marko Karaula, bereitete mit dem 1:0 den Einstieg in eine torreiche Partie. Karaula sorgte auch für den ersten Zungenschnalzer, als er Alexander Reimann auf Außen mit einem Pass hinter dem Rücken in Szene setzte. Doch auch die baden-württembergischen Gäste zeigten sich bestens aufgelegt. Einem versuchten Kempa, folgte im nächsten Angriff ein wunderschönes Kreisanspiel. 4:3 stand es nach acht Minuten. Unter anderen deshalb, weil Marvin Mundus einen Siebenmeter verwarf und Josip Eres von der Strafwurfmarke am Aluminium scheiterte. Reimann zeigte sich dann auch aus über dreißig Metern treffsicher, als er vom eigenen Torraum das verwaiste Oppenheimer Tor traf. Vier Minuten später setzten dann Eres und Karaula die Zuschauer mit einem Kempa-Tor in Verzückung (8:5, 13.). Doch es gab nicht nur Positives von der TuS-Front zu vermelden. Denn so gut wie der Angriff funktionierte, in der Deckung offenbarten sich über die komplette Spielzeit hinweg große Abstimmungsprobleme. Die Gäste vom HC Oppenweiler/Backnang nutzten dies nun konsequenter aus und konnten beim 9:9 (17.) das erste Mal nach der Anfangsphase wieder remisieren. Der scheidende Coach Robert Andersson wechselte die Rückraumbesetzung. Und insbesondere der zum samstäglichen Gegner wechselnde Niklas Diebel betrieb noch einmal Werbung in eigener Sache und traf zwei Mal. Alon Oberman hatte die Geschicke von der Strafwurfmarke übernommen und zeigte sich dort äußerst abgeklärt. Und da auch Eres weiter nach Belieben traf, ging es mit einer verdienten 19:16 Führung zum Pausentee.

Der schien den Gästen aus dem Rems-Murr-Kreis deutlich besser bekommen zu sein. Denn innerhalb von fünf Minuten stellten sie auf 20:20. Karaula war es dann vorbehalten, für das nächste Highlight aus Ferndorfer Sicht zu sorgen. Mit Links versenkte der Rechtshänder den Ball zum 22:21 (39.). Fabian Hecker war der nächste Torschütze der TuS-Equipe. Wenn „Air Hecker“ einmal zum Flug ansetzt, ist der knapp zwei Meter große Schlacks von kaum einer Abwehr zu halten. Doch nun kam die Zeit der Tim(m)s auf Seiten der Gäste. Timm Buck und Tim Düren verbreiteten Angst und Schrecken in der Abwehr der Rot-Weißen. Sowohl den Dreh- und Angelpunkt des Gästespiels, wie auch den Kreisläufer, bekam die Siegerländer Abwehrreihe nie in den Griff. Wären die Gäste nicht so oft am Aluminium gescheitert, so wäre die Partie zwischen der 40. und 50.Minute vollends gekippt. So ging es mit dem Zwischenstand von 28:28 in die Crunch-Time. Und die hielt, zum Abschluss einer aufregenden Saison, nochmal all das parat, was den geneigten Handballfan so an diesem Sport erfreut. 29:30 führten die Gäste in der 54.Minute. Dann nahm Tim Hottgenroth einen freien Ball weg und schickte Eres auf die Reise. Tempogegenstoß-Tor zum Ausgleich und der Hexenkessel Stählerwiese war auf Betriebstemperatur. Doch nach einer Auszeit legten die Oppenweiler weiter vor und gingen mit einem 31:32 (57.) in die Schlussequenz. Dann erwies Zeitstrafenkönig Tim Düren seinem Team allerdings einen Bärendienst. Dritte Zeitstrafe und folgerichtig die Disqualifikation per roter Karte. Oberman traf zum Ausgleich und im nächsten Angriff nahm Andersson sein Team-Time-Out. Dass nun ausgerechnet einer zum Matchwinner wird, der fünfzig Minuten auf der Bank gesessen hatte und das Team am Ende der Saison verlässt, war nun wirklich was für die Dramatik-Abteilung. Rostyslav Polyshchuk traf zum vielumjubelten 33:32, doch ein Angriff blieb den Gästen noch. Hottgenroth vernagelte allerdings seinen Kasten und sorgte so für einen versöhnlichen Abschluss der Aufstiegsrunde.


Es folgten noch große Emotionen. Nochmaliges Einlaufen des Teams und „das große Besteck“ für die zu verabschiedenden Spieler. Nun ist die Saison 2022/23 Geschichte – 2023/24 steht schon vor der Tür. Robert Andersson hat drei Jahre die Geschicke auf der Ferndorfer Bank geleitet. Nun wird ein anderer Trainer seine Ideen einbringen und versuchen, so erfolgreich wie möglich abzuschneiden. Dabei bleibt den Ferndorfer Handballfans die Hoffnung, bei den neu einzugruppierenden dritten Ligen der West-Staffel zugeordnet zu werden. Das hieße, viele Spiele im Umkreis von rund einhundert Kilometer Entfernung. Was wiederum den reisefreudigen TuS-Fans zugute käme. Denn auch wenn es für das Team am Ende nicht für den ganz großen Wurf gereicht hat. Die Fans haben bei Heim- und Auswärtsspielen eindrucksvoll gezeigt, warum man mittlerweile in ganz Deutschland den Hexenkessel Stählerwiese kennt.

Tore: Marko Karaula (8), Josip Eres (6/1),  Alon Oberman (4/3), Julius Fanger, Fabian Hecker (je 3), Niklas Diebel, Rene Mihaljevic, Alexander Reimann (je 2), Marvin Mundus, Jörn Persson, Rostyslav Polyshchuk ( je 1)


Das Spiel

Fotos zum Spiel: M. Lehmann, H. Burbach


Abschied der Spieler

Fotos zum Abschied: M. Lehmann, H. Burbach

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